Krumm und bucklig - die Reaktion des Gehirns auf Stress, Ängste und Sorgen

 

Das Wissen über eine unserer uralten Schutz-Programmierungen, die unbewusst unsere Körperhaltung beeinflusst, lohnt sich! 

 

Immer mehr Menschen leiden unter chronischen Verspannungen, Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen. Meist trifft es die besonders fleißigen und gewissenhaften, auch Personen, die alles perfekt machen wollen. Dieses Ziel kann zur ständiger Überbeanspruchung führen.

Viele Betroffene haben eine oder mehrere ärztliche Abklärungen mit ggfs. Unterstützung von bildgebenden Verfahren hinter sich, ohne dass eine Ursache (körperlich!) gefunden werden konnte. Nach einer ausgiebigen ärztlichen Diagnostik erhalten viele Schmerzgeplagte die Diagnose „unspezifische Rückenschmerzen“ oder „psychosomatische Erkrankung“ bzw. stressbedingte Symptome. Das heißt aber keineswegs, dass Sie sich den Schmerz nur einbilden, psychisch krank sind, der Arzt ratlos ist, es keine Ursache gibt oder dass Sie bis an ihr Lebensende mit den Schmerzen bzw. Schmerzmitteln leben müssen. Es ist lediglich keine organische Ursache für diese Symptome nachzuweisen.

Übersicht

·   Unwillkürliche Körperhaltung bei Stress

·   Die Ur-Reaktion aus dem Gehirn

·   Kleiner Test

·   Reflexe bei Angst, Unsicherheit oder Schreck

·   Wir tragen die Last auf unseren Schultern

·   Faszien und Stress

·   Stress im Rücken

·   Bewusste Wahrnehmung

·   Achtsamkeit für den Alltag

Fasziale Teilkörper-Massage

Zum Regenerieren und Entspannen

60 Minuten / 70,-- Euro

 

Unwillkürliche Körperhaltung bei Stress

 

Belastende Gedanken und schwierige Lebenssituationen haben Einfluss auf unsere Haltung. Auf Angst, Stress, unangenehme Erfahrungen oder die ständige Erinnerung daran, reagieren wir unbewusst. Unwillkürlich zieht man die Schultern hoch. Der Kopf geht nach vorn und in den Nacken. Muskeln im Bereich des Brustkorbs ziehen sich zusammen und verkürzen sich, die Atmung wird flacher, die Schultern werden nicht nur hochgezogen sondern hängen zusätzlich meist nach vorn. Durch die gebeugte Haltung können wir nicht frei atmen, der Körper kann nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt werden und wir verlieren immer mehr an Energie.

 


Die Ur-Reaktion aus dem Gehirn

Dieser Mechanismus ist unglaublich tief in uns verankert. Wir merken es nicht bewusst, wenn wir es tun. Auslösende Emotionen für z.B. das Hochziehen der Schultern kommen aus der Amygdala (Teil des limbischen Systems – sozusagen unser Angst- und Panikzentrum im Gehirn) und den Basalganglien (oder Reptiliengehirn).

Vor tausenden Jahren hatte der Mensch nur zwei Möglichkeiten wenn ein gefährliches Tier vor ihm stand: Kampf oder Flucht. Es werden in sekundenschneller Reaktion Stresshormone ausgeschüttet und die Schultern hochgezogen, um den empfindlichen Hals und die darin liegenden großen Arterien, die im Normalzustand relativ ungeschützt im Hals verlaufen zu schützen. Für unser Überleben über die Jahrtausende ein sehr intelligentes, reflexartiges und bewährtes System. Dieses System ist nach wie vor intuitiv in uns verankert. Zum Problem wird es allerdings, da unsere „Stressauslöser“ in der heutigen Zeit ganz andere sind. Nach der Anspannung fehlt uns oft, aus unterschiedlichsten Gründen, die Zeit und die Strategien um dies gesundheitsförderlich zu bewältigen.

Dabei ist es wichtig bewusst wahrzunehmen, wie verkrampft wir eigentlich sind. Wird diese Haltung zum Dauerzustand, kann sich die Körperhaltung allmählich anpassen und es kommt zu Beschwerden. Und diese fangen häufig mit Schmerzen und Verspannungen im Schulter- oder Nackenbereich an.

 

Kleiner Test

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit. Ändern Sie Ihre Position nicht, sondern verstärken Sie stattdessen die Spannung ein wenig, ohne dabei Kraft aufzuwenden. Ziehen Sie die Schultern höher, pressen Sie den Kiefer fester aufeinander.

Erleben Sie, dass sich langsam innerlich etwas entspannt – ganz von alleine…  

 

Reflexe bei Angst, Unsicherheit oder Schreck

Unter einem unbedingten Reflex versteht man eine angeborene Reaktion auf einen Reiz. Diese Reaktion ist zu jeder Zeit auslösbar und läuft sehr schnell ab. Reflexe sind für Menschen und Tiere lebenswichtig. Denn als angeborene Reflexe sichern sie lebenserhaltende Reaktionen und dienen dem Schutz (z.B. Hustenreflex) von Menschen und Tieren.

Das reflexartige Hochziehen der Schultern beobachtet man auch bei unseren nächsten Artverwandten. Eine Schreckreaktion ruft das Schulterhochziehen als Zeichen von Angst und Unsicherheit hervor. Bei Affen, Menschenaffen und Menschen gleichermaßen, ist der Ursprung dieser Geste ebenfalls diese Ur-Reaktion, die für einen Rückzug durch Zusammenkrümmen und Einrollen des Körpers zuständig ist. Gefühle der Unterlegenheit finden ihren Ausdruck in koordinierten Muskelkontraktionen. Sie dienen dazu, Teile des Skeletts zu krümmen und zu beugen, den Körper zu „schrumpfen“ und „kleiner“ erscheinen zu lassen.

 

Wir tragen die Last auf unseren Schultern

Wer viel Stress, Sorgen oder innere Spannung hat, ist mit seiner Aufmerksamkeit im Kopf. Insbesondere jene Menschen neigen zu Schulter-Nacken-Schmerzen, die viel „tragen“ müssen, sei es in einem verantwortungsvollen Job, in der Familie oder jene, die sich selbst viel „aufhalsen“ weil sie das Gefühl haben, für alle und alles verantwortlich zu sein. Problematisch wird es vor allem dann, wenn keine Ruhephase mehr vorhanden und ein Abschalten nicht möglich ist. Es unterbricht den natürlichen Ruhe-Aktivitäts-Zyklus unseres Körpers.

 

Faszien und Stress

Es sind die Faszien, die uns unser charakteristisches Aussehen und unsere individuelle Körperhaltung geben. In zahlreichen Studien und anatomischen Untersuchungen wurde in den letzten Jahren zunehmend der Zusammenhang zwischen den Körperfaszien, der Körperhaltung und dem allgemeinen Wohlbefinden bestätigt. Eine enorme Bedeutung haben Faszien als unser wichtigstes und reichhaltigstes Sinnesorgan für die Propriozeption (Sammelbezeichnung für die bewusste oder unbewusste Wahrnehmung des Körperzustands und der Lage des Körpers im Raum).

Veränderungen im tieferen Bindegewebe sind nicht einfach zu diagnostizieren, da das Gewebe leider schlecht sichtbar gemacht werden kann, d.h. es ist weder auf dem Röntgenbild noch im CT zu sehen. Bei Rückenschmerzen beispielsweise zeigen Röntgenaufnahmen und Magnetresonanz (MRT)-Bilder oft keine klare Schmerzursache. Forschungen haben ergeben, dass chronische Rückenschmerzen häufig aufgrund Vernarbungen im faszialen Bindegewebe entstehen. Sichtbar werden diese Gewebsschichten in speziellen Ultraschallaufnahmen. Auch durch eine geübte Hand kann es ertastet werden.

 

Heute wissen wir, dass auch unsere Faszien auf Stress reagieren und sich unabhängig von der Muskulatur zusammenziehen können. In Stress- oder Entspannungssituationen werden automatisch Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn) ausgeschüttet, die Informationen zwischen den Nervenzellen übertragen. Die Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden bei Stress freigesetzt. Das Forschungszentrum in Ulm konnte wissenschaftlich belegen, dass Faszien unter dem Einfluss von Neurotransmittern reagieren.

 

Ist unser Körper kontinuierlich Stresssituationen ausgesetzt, können die Faszien verhärten bzw. verfilzen und es können sich kleine Risse bilden. Aufgrund der vielen Rezeptoren, die sich dort befinden, kommt es zu einem Schmerzreiz, der an das Nervensystem übertragen wird.

 

 

 

Stress im Rücken

Stress führt zu körperlicher Erregung und deshalb unter anderem auch zu erhöhter Anspannung. Durch die psychische Stresssituation verspannen sich auch die Muskeln und Faszien, sie können in allen Bereichen des Rückens verhärten. Wenn Stress länger anhält, und damit auch die Muskelspannung, kann auch daraus Schmerz entstehen. Hinzu kommt womöglich noch, dass man unter Termindruck angespannt in der gleichen Körperposition acht Stunden am Tag am Schreibtisch ausharrt. Zeitmangel, Antriebslosigkeit und ein Erschöpftheitsgefühl führen dazu, dass der nötige Ausgleich durch Sport oder Bewegung an der frischen Luft fehlt.

Die Psyche und der Rücken befinden sich im Wechselspiel. Einerseits lastet ein dauernd schmerzender Rücken auf die Psyche und kann sogar depressive Verstimmungen auslösen. Andererseits können Rückenschmerzen umgekehrt aber auch durch psychische Belastungen ausgelöst oder verstärkt werden. Ein wechselseitiger Kreislauf aus Ursache und Wirkung.

 

Bewusste Wahrnehmung kann aktiv Ihre Lebensqualität verbessern

„Achtsamkeit" entspringt dem Buddhismus aber es geht hier nicht um Spirituelles, sondern darum, den Moment bewusst zu erleben. Durch die vielen alltäglichen Aufgaben und Pflichten können wir manchmal das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit für Wesentliches verlieren. Das Alltägliche lässt uns oft nur wenig Zeit für uns selbst. Mit Achtsamkeit schaffen wir neuen Raum für uns selbst. Kleine Auszeiten, in denen wir uns einfach den gegenwärtigen Moment bewusstmachen.

 

Wie geht es Ihnen gerade?

 

Manchmal kann es helfen, im Alltag eine kurze Pause zu machen und kurz die Zeit anzuhalten. Dabei kann man sich die Fragen stellen: Wie geht es mir gerade? Was tut mir im Moment gut? Oder: Was stresst mich?

 

Wer auf den Körper achtet und sensibel für sich und das eigene körperliche Befinden ist, der wird nicht nur sicherer im Umgang mit der eigenen Gesundheit, sondern kann auch selbst positiven Einfluss darauf nehmen. Geht es Ihnen gut? Dann können Sie so weitermachen wie bisher. Oder gibt es etwas, was für Sie verbesserungswürdig ist?

 

 

TIPPS für mehr Achtsamkeit im Alltag

 

  • Den Blick auf die schönen Dinge richten und bewusst wahrnehmen
  • Eine kurze Pause einlegen und sich im Alltag Zeit für sich selbst und die Erholung nehmen
  • In sich hineinhören und mögliche Veränderungen erkennen
  • Achtsam atmen: Das Einatmen bewusst wahrnehmen, das Ausatmen bewusst wahrnehmen

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© ProFascia